Freitag, 9. Dezember 2016

Adventskalender: Freitag, den 9. Dezember 2016




Bildrechte bei Manfred Kolb
Der Friesenbaum

Der etwas andere Tannenbaum: der Friesenbaum
von Manfred Kolb

Ein Heimatforscher an der Westküste Schleswig-Holsteins erzählte uns vor einigen Jahren die Geschichte vom Weihnachtsbaum der Friesen, dem
sog. Friesenbaum. Wenn die Halligen in der stürmischen Herbst- und Winterzeit vom Festland völlig abgeschnitten waren, konnten die Halligbewohner
das Weihnachtsfest nicht mit dem auf dem Festland schon verbreiteten geschmückten Tannenbaum begehen: Tannen oder Fichten wuchsen auf den Warften (Wurten) nicht und ein Transport vom Festland her war witterungsbedingt nicht möglich.
So kamen Halligbewohner auf die Idee, sich aus den regelmäßig bei Sturmfluten angeschwemmten Hölzern einen Tannenbaum aus Holz
zu bauen: ein längeres Holz diente dabei als Stamm, an dem mehrere kleinere Hölzer wie Äste eines Tannenbaums befestigt wurden. Dieser seit Ende des 18. Jahrhunderts gebräuchliche sog. Friesenbaum wurde mit einem roten Farbanstrich versehen und mit einer außen umlaufenden grünen Girlande aus Buchsbaum geschmückt. Buchsbaum wurde nämlich auf den Halligen als Windschutz für die kleinen Gemüsegärten als umlaufende Hecken angepflanzt.
Der Stamm des Friesenbaums wurde übrigens mit einer Ranke aus grünem Efeu umwickelt, während man die Querhölzer mit Weihnachtskugeln, Engeln, Heiligen, Tierfiguren, Sternen, Gebäck und Nüssen behängte. Auf den „Ästen“ stellte man Kerzen auf, wo auch die geschnitzten Krippenfiguren Platz fanden. Dieser „Friesenbaum“ erfreute sich im Laufe der Jahrhunderte immer größerer Beliebtheit auf den Halligen, auf den Inseln und in abgelegenen Gegenden Nordfrieslands.

Heute zählt der Friesenbaum zum Brauchtum der Friesen und ist inzwischen auch auf dem Festland weit verbreitet.

Auch wir haben uns aus Leimholz einen Friesenbaum gebastelt, der uns zu jedem Weihnachtsfest mit seinem Schmuck und dem warmen Licht der Kerzen erfreut.

Donnerstag, 8. Dezember 2016

Adventskalender: Donnerstag, der 8. Dezember 2016







Bildrechte bei: Marlies Strübbe-Tewes

Kater Ernies Weihnachtstraum
von Marlies Strübbe-Tewes

Stundenlang zieht er durchs Haus
der Bratenduft vom Weihnachtsschmaus.
Truthahn, zart und mild gegart
mit Füllung nach des Hauses Art.

 Menschen glauben stets daran,
dem Braten nichts passieren kann.
Alles sei für sie gemacht,
doch Katerkumpels, nun gebt acht:

Geduldig warten …

 Wenn alle singen unterm Baum,
schleich ich sachte durch den Raum,
der Knusperbraten lockt mich an,
und ich zeige, was ich kann:

Mein leises Schmatzen hört man  kaum,
es erfüllt sich jetzt − mein Katertraum!
Den Truthahn −
 oh  Weihnachtsglück,
    zerleg’ ich −
Stück für Stück!



Mittwoch, 7. Dezember 2016

Adventskalender - Mittwoch der 07.12.2016



Advent in Kapfenberg
Bildrechte bei: Josef Graßmugg


Weihnacht jedes Jahr
von Josef Graßmugg

Wie das Feuer Wärme gibt,
und ein Kraftwerk Energie.
Wie der Wald den Sauerstoff,
es erscheint oft wie Magie.

Wie das Eis die Zeit anhält,
alles Dasein tiefgekühlt.
So wie Wasser Leben gibt,
und der Mensch die Liebe fühlt.

Wie die Hoffnung Kraft verleiht.
Viele Träume werden wahr.
Weil der Glaube überlebt,
wird es Weihnacht jedes Jahr.

Dienstag, 6. Dezember 2016

Adventskalender - Dienstag, den 6. Dezember 2016



  

Die Christtagsfreud  (Nach P. Rosegger)

von Richard Mösslinger

D' Muatta hat'n aufgweckt, in zwölfjahrign Buabm
und gsagt: „Leg dih schnöll an, aft über die Huabm
durchn Weg abi nach Langenwang lafn.
Woaßt Bua, sollst Sachn für Weihnachtn kafn!"
Der Vater moant noh: „Mia is wer was schuldi.
Geh drentn zu eahm und wart durt geduldi,
bis d' in der Hand hast deis schuldige Göld,
von dem kafst aft ein, was die Muatter bestöllt!"'
So stapft er im Schnee durchn finstaren Wald,
seine Schriatt knirschn laut, es is fürchterlih kalt.
Es wird langsam deimi und nach a paar Stundn
is deis Büabl, deis kloane, in Langenwang untn.
Da geht er in d' Kirchn um für Beihülf zan betn
und während der Mess hat er d'Orgl fest tretn.
Drauf geht er zan Schuldner. Er passt eahm hint' a(b),
kriagt nur an kloan'n Tal, mehr hätt er net da.
Mit dena paar Kreiza schleicht zan Greißler er hin
und lasst sih dort einpackn, was sei Muatter im Sinn.
Is Göld war vül z'weni, drum war er varlegn,
aber d' Kauffrau hat's lass'n, was im Rucksack is glegn,
wal: „In Waldbauern vom Alpl, den kenn ih scho lang,
von dem kriag ih's schon hinta, da is ma(r) net bang."
Und mit auf'm Weg, der natürlih recht weit,
gibt s' eahm tricknate Zwetschkn als Weihnachtsvurfreid.
Mitm vollpacktn Ranzl, so spoacht er fest aus,
und is in Gedankn ban Haliabndschmaus.
Ba d’ Kreizung aufs Alpl, da muass er kurz rastn,
möcht jausnan an Bissn und a(b)legn die Lastn.
Frisch gstärkt und voll neichgfasster Kraft
moant er, dass er’n Weg hiatz leichter darschafft.
Es dauert net lang, da ziacht's wieder schwer,
da kimmt a laut’s Schlittngspann feiri daher.
Der Herr von Hoh'nwang lasst sih da ziagn
von etlahne Ross, dass d' Huaf nur so fliagn.
Deis Büabl, dem d' Buckllast feindsöli quölt,
denkt: „’s is scho verkehrt auf derer Wölt.
Ih muass da hatschn und teiflschwar tragn,
und er huckt am Schlittn, der von Pferdln wird zogn!"
So stapft er halt weiter. - Aft trifft er an Knecht,
der s’ Ranzl eahm nimmt. Ja, deis is eahm recht.
Doh, wia dei zwoa sand a Zeitl lang gangan,
hat der Lackl, der große, zan lafn angfangan.
Und während is Büabl dem hinterher rennt,
kimmt a Fuhrmann eahm nachi, den er recht guat kennt.
Dem schreit er entgegn: ,,Bitt, halt den durt auf,
nimm's Ranzl eahm a(b), leg’s am Kutscherbock drauf!"
Der tuat, wia eahm ghoaßn, der and're varschwindt
und brummlt was zwengs so an undankbarn Kind.
Der Bua kimmt zan Wagn, därf aufsteign zan Mann
und is sichtlih froh, dass er mitfahrn hiatz kann.
Bald, nach an kloan' Zeitl, wo sih gablt der Steg,
bedankt er sih höflih, geht weiter sein Weg
und is mit sei'm Schädl weit furt ba der Mettn,
wo die Christn vurm Kripperl is Kindl anbetn.
Es dauert net lang, aftn is er dahoam.
„Hastd alles kriagt?", fragt z'erst gleih sei Moam.
„Bist sicherlih miad, hast a Loch drin im Magn,
da wirst wohl a Supperl mit Sterz leicht vartragn!"
Er legt gschwind sei Gwand a(b) und warm wird eahm bald,
mirkt net unterm Löffln, dass's Äugerl zuafallt.
Sei Muatter, dei nimmt eahm und legtn ins Bett.
Es war zwar net sanft, doh aufgwacht is er net.
Der Mond lacht eahm zua, aber ’s Büabl schlaft fest,
wacht am Christtag erst auf, so miad is as gwest.

(Nach „Als ich Christtagsfreude holen ging" von Peter Rosegger)